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espace konect

Inkubator und Beschleuniger für Unternehmen im Bereich digitaler Technologien

Im Herzen der Innovationszone Technum Québec in Bromont gelegen, vereint espace konect einen Unternehmensinkubator und ‑beschleuniger, die dem Sektor der digitalen Technologien gewidmet sind. Im Auftrag der Société de développement économique de Bromont (SODEB) initiiert, fügt sich das Projekt in eine ambitionierte Vision ein: die Schaffung der ersten biophilen Innovationszone Nordamerikas, in der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität Hand in Hand gehen.

Als erstes Gebäude, das auf einem bislang unerschlossenen Gelände entsteht, übernimmt espace konect eine grundlegende Rolle. Zugleich Empfangsort und identitätsstiftender Orientierungspunkt legt es den Grundstein für ein klar strukturiertes, entwicklungsfähiges und fest in seiner natürlichen Umgebung verankertes Ökosystem. Mehr als ein isoliertes Objekt wirkt das Gebäude als inauguraler architektonischer Gestus, der die Gesamtvision der sich entwickelnden Innovationszone ankündigt.

 

Bauherr : Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft von Bromont (SODEB)

Standort : Bromont, Québec, Kanada

GF : 2 367 m²

Status : Übergeben

Date : 2025

Key points

  • Digitale Technologien.
  • Innovation.
  • Schaffung.
  • Entwicklung.
  • Biophilie.
  • Natürliche Umgebung.
  • Zusammenarbeit.

Die Landschaft als aktiver Partner

Am Rand des Stadtzentrums von Bromont gelegen, auf einem Grundstück mit freien Blicken auf den Mont Brome, nimmt das Gebäude eine Haltung des Zuhörens ein statt der Dominanz. Das Projekt besetzt einen zuvor nur spärlich begrünten Teil des Areals und regeneriert den Ort durch eine groß angelegte landschaftliche Neugestaltung, die von der Pflanzung von über 3.000 Pflanzen geprägt ist, darunter etwa 65 Bäume, mehr als 330 Sträucher sowie rund 2.700 Stauden und Gräser.

Ein in unmittelbarer Nähe angelegter Teich strukturiert die Umgebung und fungiert zugleich als ökologische Infrastruktur zur Bewirtschaftung von Regenwasser und als Ort der Begegnung. Als sinnlich erfahrbarer Rundgang konzipiert, lädt er die Nutzerinnen und Nutzer dazu ein, sich während ihrer Pausen zu bewegen – über Wegeführungen, Stege, Sitzbänke und eine sorgfältig ausgewählte Vielfalt an Pflanzen. Diese Gestaltung erweitert die Nutzungen auf natürliche Weise nach außen und verankert den Alltag der Nutzenden in einem kontinuierlichen Dialog mit der Landschaft.

montage schéma de l'incubateur de bromont

Natur und Technologie – eine komplementäre Beziehung

Von Anfang an etabliert das Projekt einen engen Dialog zwischen Technologie und Natur, die als komplementäre Kräfte gedacht sind. In einem Umfeld von Präzision und Kontrolle wird das Lebendige als strukturierende Komponente der Nutzererfahrung integriert – im Dienst von Wohlbefinden, Kreativität und kollaborativen Dynamiken. Dieser biophile Ansatz schafft ein ausgewogenes Arbeitsumfeld, in dem technologische Leistungsfähigkeit in einen beruhigenden, landschaftlich eingebetteten Rahmen eingebunden ist.

Diese Komplementarität spiegelt sich in der architektonischen Komposition wider. Der steinerne Sockel, massiv und fest im Boden verankert, bekräftigt die Setzung des Gebäudes und bildet die physische wie symbolische Basis des Projekts. Durchlässig und geöffnet lässt er Licht und Landschaft eindringen, mildert die Grenze zwischen Innen und Außen und stellt eine direkte Verbindung zwischen Natur und Innovation her.

Auf diesem Sockel ruht ein oberes Volumen mit zeitgenössischer Architektursprache, dessen Geometrie an die Linien einer elektronischen Leiterplatte erinnert – eine Referenz an die Mikroelektronik und die Halbleitertechnologie. Seine dunkle, glatte und durchgängige Metallhülle fängt das Licht ein und reflektiert die Umgebung auf subtile Weise, während seine aerodynamische Silhouette die Idee von Beschleunigung und Innovationsantrieb unterstreicht. Realisiert mit in Québec entwickelten Stekar‑Paneelen gewährleistet dieses Volumen eine homogene Lesbarkeit sowie eine energetische Leistungsfähigkeit, die den hohen Anforderungen der Bauordnung entspricht. Der zurückgesetzte Bodenbereich mit auskragender Struktur schützt die Zugänge und fungiert zugleich als Sonnenschutz.

Die innere Organisation gliedert sich um einen zentralen Innenhof, das eigentliche Herz des Projekts. Er bringt die Natur in die Mitte des Baukörpers und dient als konstante räumliche Referenz. Die Erschließungswege mit ihren weichen, von Pfaden inspirierten Linien begleiten die Bewegungen der Nutzerinnen und Nutzer und verwandeln alltägliche Wege in Gelegenheiten für Begegnung und Austausch.

Schließlich sorgt die schlanke, durchgesteckte Gebäudemorphologie für eine reichliche natürliche Belichtung und eine kontinuierliche visuelle Beziehung nach außen oder zum Innenhof. Dadurch wird der Einsatz künstlicher Beleuchtung reduziert und der Nutzerkomfort nachhaltig erhöht.

Intérieur de l'incubateur Bromont
Bureau dans l'incubateur de Bromont

Nutzungen, Flexibilität und Materialität

Das Erdgeschoss bündelt die gemeinschaftlichen Funktionen: den Empfang, die Büros von Technum Québec sowie polyvalente Gemeinschaftsbereiche mit Küche, Schulungsraum, Mehrzwecksaal und Trainingsraum, der in ein Konzept des Wohlbefindens am Arbeitsplatz integriert ist.

Der für rund 250 Personen ausgelegte Mehrzwecksaal ist durch eine mobile Trennwand teilbar und kann in eine Cafeteria‑Bistro umgewandelt werden. Großzügige Verglasungen und Schiebetüren gewährleisten eine direkte Beziehung zum Innenhof sowie eine hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Nutzungen und Veranstaltungen.

Im Obergeschoss sind die Büros und offenen Arbeitsbereiche in unmittelbarer Nähe zu den Fertigungswerkstätten, den F&E‑Bereichen und einem Reinraum angeordnet. Dies fördert die teamübergreifende Zusammenarbeit, den Projektfortschritt und den Austausch von Ideen. Die Besprechungsräume, die sich in Lounge‑Bereiche transformieren lassen, bieten zusätzliche Flexibilität.

Die Materialwahl unterstützt diese Nutzungen: Natürliches Holz, das innen wie außen in Bekleidungen und Decken zum Einsatz kommt, vermittelt Kontinuität und Wärme. Der Kontrast zwischen der dunklen Gebäudehülle und den hellen Innenräumen optimiert das natürliche Tageslicht und verstärkt das Gefühl von Offenheit. Natürliche Farbtöne sowie die Integration von Vegetation – in Form von Einbaumöbeln, Pflanzgefäßen und einer begrünten Wand – führen die Landschaft im Innenraum fort und vertiefen die Verbindung zur Umgebung.

Extérieur de l'incubateur de Bromont

Leistungsfähigkeit und Zugänglichkeit

Die konstruktiven und gestalterischen Strategien tragen zur Gesamtleistung des Projekts bei. Die teilweise Aushebung des Untergeschosses ermöglichte es, die Auswirkungen auf das Grundstück zu begrenzen und zugleich die Setzung sowie die räumliche Organisation zu optimieren. Dieser Ansatz reduziert den baulichen Fußabdruck, bewahrt das bestehende Gelände und folgt einer landschaftsschonenden Entwicklungslogik.

Die barrierefreie Zugänglichkeit ist fließend und intuitiv integriert. Ein Aufzug erschließt alle Ebenen, die Verkehrsflächen sind großzügig und durchgängig, und die Wege zwischen Parkplatz, Gebäude und Innenhof verlaufen ohne Höhenunterschiede. Sicherheit und Zugangskontrolle werden dezent gewährleistet, wobei die technischen Bereiche im Obergeschoss gebündelt sind, während das Erdgeschoss offen und einladend bleibt.

Durch seinen biophilen Ansatz fügt sich espace konect vollständig in die von der Stadt Bromont formulierten regulatorischen Leitlinien für die industrielle Entwicklung ein. Das Projekt geht über die bloße Erfüllung der Anforderungen hinaus und versteht sich als Pilotprojekt, das die Relevanz dieser Prinzipien für zukünftige Entwicklungen aufzeigt.

Esquisse de l'incubateur de Bromont

Team

Patriarche (Architektur, Innenarchitektur)
Partner:
EMS | Tragwerksplanung
Artelia (ehemals FNX) | Bauingenieurwesen und Landschaftsarchitektur
CBTEC | Elektro‑ und TGA‑Ingenieurwesen

Kredits

©Maxime Brouillet

Gebäudetypologie

Büro

Fotos von der Baustelle

espace konect