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Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft

Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft

Die Hotellerie befindet sich heute in einem tiefgreifenden Wandel. Hotels werden nicht mehr allein durch die Qualität ihrer Zimmer, ihre Lage oder ihr Serviceniveau bestimmt. Sie entwickeln sich zu multifunktionalen, identitätsstiftenden Orten, die jedem ihrer Nutzerinnen und Nutzer ein einzigartiges Erlebnis bieten.

Bei Patriarche prägt diese Überzeugung unseren Ansatz – unabhängig davon, ob es sich um ein Berghotel, ein Stadthotel oder ein Haus am Meer handelt. Unser Ziel ist es, die Besonderheiten eines Ortes sichtbar zu machen, um einzigartige Erlebnisse zu schaffen, die mit den Menschen in Einklang stehen, die dort leben, verweilen und ihn erleben.

Das Ende der Standardmodelle

Lange Zeit beruhte die Hotellerie weitgehend auf Standards. Heute bemisst sich der Wert eines Hauses auch an seiner Fähigkeit, ein Erlebnis zu bieten, das nirgendwo sonst erlebt werden kann. Jedes Territorium verfügt über eine eigene Geografie, Geschichte, Kultur und Nutzungsmuster – manchmal sogar über kollektive Vorstellungen und Bilderwelten –, die ein außerordentlich reiches Potenzial für die Projektentwicklung darstellen. Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Potenzial sichtbar zu machen und in ein räumliches Erlebnis zu übersetzen.

In Arc 1600 wurde bei der Revitalisierung des Hotels La Cachette die Berglandschaft zum Leitmotiv des Projekts. Inspiriert vom Ansatz Charlotte Perriands verfolgt das Konzept das Ziel, die Berge in das Hotel hineinzuholen. Die Wegeführung erinnert an Wanderpfade, jede Etage steht für eine Schicht der Berglandschaft, und die Materialien verlängern das Landschaftserlebnis über die Fassade hinaus.

In Annecy werden beim Black Bass das Wasser des Sees und die Welt seiner Tiefen zu den prägenden Elementen der Erzählung. Farben, Materialien, Signaletik und Mobiliar tragen gemeinsam dazu bei, eine Unterwasserwelt heraufzubeschwören. Dieses Projekt veranschaulicht zugleich unseren Ansatz eines narrativen Designs im Maßstab eines Hotelbetriebs.

In Aix-les-Bains schöpft das Hotel Monsieur Le Baron seine Identität aus der kulturellen Geschichte der Stadt und aus der Persönlichkeit von Marie de Solms, der freiheitsliebenden und mutigen Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Das Hotel erzählt nicht allein die Geschichte eines Gebäudes, sondern die einer Epoche, einer Geisteshaltung und einer besonderen Art, die Stadt zu erleben und zu bewohnen.

Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft
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Transformieren, ohne auszulöschen

Diese Aufmerksamkeit für den Kontext erhält heute eine besondere Bedeutung, da ein großer Teil der Hotelprojekte im Rahmen von Sanierungs-, Umnutzungs- und Transformationsprozessen entsteht.

Was sollte bewahrt werden, wenn ein Ort verändert wird? Über die Architektur hinaus wird ein Ort auch durch seine Nutzungen, seine Atmosphäre, sein städtisches und landschaftliches Umfeld sowie durch die Kultur und das kollektive Gedächtnis geprägt, in die er eingebettet ist.

Das Projekt Folk’ steht beispielhaft für diesen Ansatz der kulturellen Aufwertung eines Ortes. Es hat das Ziel, das Erbe der Wendat sichtbar zu machen und durch ein zeitgenössisches Hospitality-Erlebnis weiterzugeben. Grafische Identität, Signaletik, Farben, Materialien und die räumliche Erzählung greifen das Wissen, die Symbole und die Sprache dieser indigenen Nation auf. So trägt das Projekt dazu bei, kulturelles Erbe zu bewahren und aufzuwerten, während es zugleich in die Nutzungen und Erwartungen der Gegenwart eingebunden wird.

In Dakar stützt sich die Umgestaltung des Hotels Terrou-Bi auf die kulturelle Identität Senegals, anstatt sich auf eine reine Modernisierung zu beschränken. Durch den Einsatz lokaler Materialien, handwerklicher Traditionen, regionaler Kunstwerke sowie einer zeitgenössischen Interpretation der senegalesischen Landschaften zielt das Projekt darauf ab, die Seele des Ortes zu stärken und ihn zugleich an die Anforderungen der internationalen Hotellerie von heute anzupassen.

Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft
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Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft
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Den Aufenthalt neu erleben

Dieser Wandel der Hotellerie ist eng mit der Veränderung unserer Lebensweisen verbunden. Die Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit, Gastfreundschaft, Kultur und Gastronomie werden zunehmend durchlässig. Unsere Gesellschaft ist hybrid geworden – und die Orte, die wir nutzen, entwickeln sich ebenfalls in diese Richtung.

Ein Hotel wird heute nicht mehr ausschließlich zum Übernachten besucht. Man arbeitet dort für einige Stunden, organisiert ein Meeting, teilt eine Mahlzeit, nimmt an einer Veranstaltung teil oder genießt einfach einen angenehmen Ort. Diese Entwicklung stellt die Konzeption von Hotels grundlegend infrage. Räume können nicht länger monofunktional sein; sie müssen im Laufe des Tages und über die Jahreszeiten hinweg vielfältige Nutzungen ermöglichen.

Im La Cachette beschränkt sich das Hotel nicht mehr auf seine Funktion als Beherbergungsbetrieb. Als multifunktionaler Ort konzipiert, integriert es eine Lounge, eine Bar und einen Coworking-Bereich, die eine zentrale Rolle im angebotenen Erlebnis einnehmen. Diese neuen Nutzungen ergänzen das traditionelle Hotelangebot und verwandeln das Haus in einen echten Lebensraum, der sowohl Reisenden als auch Einheimischen und digitalen Nomadinnen und Nomaden offensteht.

Von der Beherbergung zur Gastfreundschaft

Andernorts das wiederfinden, was zu uns passt

Diese Hybridisierung entspricht einem tieferliegenden Bedürfnis: dem Wunsch, auch unterwegs die eigenen Gewohnheiten beibehalten zu können – zu leben, zu arbeiten, sich auszutauschen oder zu entspannen, so wie man es gewohnt ist. Reisende suchen heute nach Orten, die mit ihren Lebensstilen, Interessen und Überzeugungen in Resonanz treten.

Die Wahl eines Hotels bedeutet daher auch die Wahl einer Atmosphäre, eines Verhältnisses zur Zeit und einer bestimmten Art, einen Ort zu erleben und zu bewohnen. Manche suchen eine starke Verbindung zur Natur, andere ein kulturelles Erlebnis, ein ökologisches Engagement oder Räume, die Begegnungen und Geselligkeit fördern. Der Aufenthalt wird so ebenso zum Ausdruck einer persönlichen Haltung und Sensibilität wie zu einem Reiseziel an sich.

 

In einer Zeit, in der Reisende zunehmend nach persönlicheren und authentischeren Erfahrungen suchen, besteht die Herausforderung der Hotelgestaltung darin, jedem Einzelnen zu ermöglichen, seinen Platz zu finden. Darin liegt zweifellos das neue Versprechen der Hospitality: einen Ort und sein Territorium sichtbar zu machen und zugleich den Menschen, die ihn durchqueren, ein Erlebnis zu bieten, das zu ihnen passt.

 

Credits :
©Patriarche, ©Florian Peallat, ©Edouard Vachon

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Patriarche.
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