GSIO

Planung und Realisierung des Gesundheits-Simulationszentrums des Indischen Ozeans (GSIO) in Saint-Pierre auf La Réunion.

Das Gesundheits-Simulationszentrum des Indischen Ozeans (CSSOI) ist Teil einer vom Universitätsklinikum La Réunion getragenen Dynamik zur Transformation der pädagogischen Praktiken im Gesundheitswesen. Das Projekt befindet sich in Saint-Pierre, im Herzen des Technologiegebiets TechSud und in unmittelbarer Nähe des Universitätscampus (IUT, ESIROI, Fakultät für Gesundheitswissenschaften). Es trägt zur Entwicklung eines exzellenten, sich kontinuierlich weiterentwickelnden Bildungs- und Gesundheitsökosystems bei.

Als Simulationszentrum der Stufe 3 gemäß den Anforderungen der Haute Autorité de Santé (HAS) konzipiert, reagiert es auf den wachsenden Bedarf an immersiven und sicheren Ausbildungsmethoden. Studierende und Fachkräfte können in realitätsnahen Umgebungen trainieren, ohne Risiken für Patientinnen und Patienten einzugehen, und gleichzeitig Forschung und Innovation fördern.

Das Projekt wird im Rahmen eines Gesamtauftrags entwickelt, der Planung, Bau und Instandhaltung umfasst. Verantwortlich ist ein Konsortium bestehend aus Patriarche und OBA (Architektur), Integrale (Ingenieurwesen) sowie weiteren spezialisierten Partnern.

Drei Leitgedanken prägen die Konzeption:

  • Nutzung: mit einer starken Einbindung des Feedbacks zukünftiger Nutzerinnen und Nutzer
  • Design: basierend auf funktionaler und technischer Optimierung
  • Umwelt: mit dem Ziel einer ganzheitlichen Effizienz und eines kontrollierten ökologischen Fußabdrucks

Client : CHU de La Réunion

Standort : Saint-Pierre, Frankreich

Surface : 3 815 m²

Status : In Bearbeitung

Key points

  • Stufe 3 (HAS).
  • Ausbildung und Simulation.
  • Lehre.
  • Übersichtlichkeit und Trennung der Verkehrsströme.
  • Klimatechnik.
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Architektonisches Konzept – Entwurfsprinzipien

Das Projekt basiert auf einem grundlegenden Leitgedanken: Die Natur als Ursprung der architektonischen Komposition zu begreifen. Die Positionierung des Gebäudes wird unmittelbar von den Eigenschaften des Standorts bestimmt – den vorherrschenden Winden, der Sonneneinstrahlung, der Geometrie des Grundstücks sowie einem geschützten Waldgebiet, die allesamt zu treibenden Kräften des Entwurfs werden.

Das Ensemble gliedert sich in drei Hauptkörper – Lehrbereiche, Verwaltung und Konferenzsaal –, die durch eine zentrale Struktur miteinander verbunden sind: die „Allee des Wissens“, das eigentliche Rückgrat des Projekts.

Diese große, belebte Verbindungsachse geht weit über eine reine Erschließungsfunktion hinaus: Sie verkörpert einen Lernpfad, auf dem jede Bewegung zu einer pädagogischen Erfahrung wird. Nicht linear angelegt und von unterschiedlichen Sequenzen sowie räumlichen Aufweitungen geprägt, fördert sie Austausch, Vorbereitung und Beobachtung.

Die architektonische Sprache des Projekts ist zeitgenössisch, organisch und identitätsstiftend. Sie zeichnet sich aus durch:

  • klare und geschwungene Linien, die technologische Innovation symbolisieren,
  • eine offene und transparente Architektur, die visuelle und funktionale Interaktionen fördert,
  • eine enge Verknüpfung von Innen- und Außenräumen, typisch für die Lebensweise auf La Réunion.

Besondere Elemente stärken diese Identität zusätzlich. Hervorzuheben ist insbesondere der Konferenzsaal (Auditorium), der als markanter Baukörper gestaltet wurde. Er ist weithin sichtbar, klar identifizierbar und kann unabhängig vom übrigen Gebäude betrieben werden, um Veranstaltungen von regionaler Bedeutung auszurichten.

Ingenieurwesen und technischer Ansatz

Die Entwurfsentscheidungen beruhen auf:

  • einer aerodynamischen Optimierung der Baukörper, die Druckunterschiede erzeugt und dadurch eine wirksame Querlüftung begünstigt,
  • einer räumlichen Organisation, die die interne Luftzirkulation fördert und die gefühlte Temperatur um mehrere Grad senken kann,
  • Windkanalstudien, welche die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Systeme sicherstellen (insbesondere für das Auditorium),
  • der Integration von Lamellenfenstern, porösen Fassaden und an die jeweilige Ausrichtung angepassten Sonnenschutzsystemen.

Das Projekt setzt auf einfache, robuste und langlebige Bauweisen, kombiniert mit einem regelmäßigen Tragwerksraster von 1,35 m, das Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Räume gewährleistet.

Darüber hinaus begleitet die Ingenieurplanung die komplexen Anforderungen der medizinischen Simulation und integriert hochrealistische Simulationsumgebungen, fortschrittliche digitale Technologien sowie Systeme zur Beobachtung und Analyse professioneller Praktiken.

Ein äußerst anspruchsvoller klima- und gebäudetechnischer Ansatz, der bereits zu Beginn des Projekts entwickelt wurde, um die natürlichen Standortbedingungen optimal zu nutzen, anstatt sie einzuschränken.

Besonderheiten des Gesundheitswesens

Das CSSOI ist als szenografisch gestaltetes Lehrkrankenhaus konzipiert, in dem die Architektur selbst zu einem vollwertigen pädagogischen Instrument wird. Das Projekt basiert auf mehreren grundlegenden Prinzipien:

  • der realitätsgetreuen Nachbildung von Versorgungs- und Behandlungsumgebungen, um Lernende mit authentischen Situationen zu konfrontieren,
  • der Inszenierung von Lernprozessen, die es ermöglicht, berufliche Praktiken zu beobachten, zu analysieren und zu verstehen (Transparenz, Sichtbeziehungen, Beobachtungseinrichtungen),
  • dem Prinzip der Wiederholung, das für den Erwerb von Handgriffen, Abläufen und Protokollen unerlässlich ist.

Die räumliche Organisation erfüllt zudem hohe Anforderungen hinsichtlich der Trennung und klaren Lesbarkeit der Verkehrsströme (Lernende, Personal, Logistik, Rettungsfahrzeuge), der Eigenständigkeit der verschiedenen Funktionsbereiche sowie der präzisen Vernetzung von Simulations-, Lern- und Austauschräumen.

Das Projekt verkörpert damit eine zeitgemäße Vision der Ausbildung im Gesundheitswesen, die auf Experimentieren, Immersion und Interdisziplinarität basiert.

Umweltkonzept

Das Projekt verfolgt einen hohen ökologischen Anspruch, der im Einklang mit seinem tropischen Kontext steht. Die gesamte Planung basiert auf einem integrierten bioklimatischen Ansatz mit dem Ziel, die natürliche Belüftung zu maximieren, den Bedarf an Klimatisierung deutlich zu reduzieren und den thermischen Komfort auf passive Weise zu optimieren.

Die Landschaft spielt dabei eine zentrale Rolle:

  • Erhalt und Aufwertung des bestehenden geschützten Baumbestands,
  • Schaffung von Gartenanlagen in Kontinuität mit dem Bachlauf,
  • Pflanzung endemischer Arten zur Förderung von Biodiversität und Resilienz,
  • Entwicklung von Frischeinseln durch eine gestufte Vegetationsstruktur,
  • Integration begrünter Dächer zur Begrenzung der solaren Wärmeeinträge und zur Regulierung des Regenwassers.

Die Vergrößerung der versickerungsfähigen Flächen trägt ebenfalls zur Verringerung der Umweltbelastung des Projekts bei.

Team

Patriarche (Architektur, Innenarchitektur)
Autumn | Patriarche (Generalunternehmer)
Partner:
Intégrale (Ingenieurwesen), OBA (Architektur)

Credits

©Patriarche

 

 

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