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Licht gestalten, um Kreativität zu fördern: Anwendungsfall eines Videospiel‑Designstudios

Licht gestalten, um Kreativität zu fördern: Anwendungsfall eines Videospiel‑Designstudios

In der Welt der Videospielentwicklung beginnt alles mit einer Erfahrung. Derjenigen der Spielerinnen und Spieler selbstverständlich, aber auch derjenigen der Teams, die virtuelle Welten entwerfen, zeichnen, modellieren und testen. In diesen Räumen intensiver Kreativität ist Licht niemals nebensächlich: Es beeinflusst die Konzentration, die Farbwahrnehmung, die kollektive Energie und sogar die Fähigkeit zur Innovation.

Bei Patriarche verstehen wir Beleuchtung als ein eigenständiges architektonisches Material, untrennbar verbunden mit Gestaltung, Nutzung und Umfeld. Die Gestaltung eines Videospiel‑Designstudios bot die Gelegenheit, diese Expertise in Zusammenarbeit mit Chantal Aubin, Lichtberaterin bei AMP Lighting, einzubringen. Wir entwickelten eine maßgeschneiderte Lichtstrategie, abgestimmt auf die Rhythmen, Praktiken und die kreative Kultur seiner Nutzerinnen und Nutzer.

Nutzungen verstehen, bevor man Licht gestaltet

Bevor man von Leuchten, Luxwerten oder Farbtemperaturen spricht, beginnt jedes Beleuchtungsprojekt mit einer einfachen Frage: Wie wird der Raum erlebt? In diesem Studio sind die Nutzungstypologien vielfältig: lange Arbeitsphasen am Bildschirm, Zeiten der Zusammenarbeit im Team, Momente der Entspannung und des Abschaltens sowie punktuelle Anforderungen an Vertraulichkeit.

Jeder Bereich erfordert daher eine spezifische Lichtantwort. Eine detaillierte Analyse der Räume und Nutzungspraktiken wurde durchgeführt, gestützt auf präzise lichttechnische Berechnungen und Tests vor Ort, um für jede Situation das passende Beleuchtungsniveau zu definieren.

Licht gestalten, um Kreativität zu fördern: Anwendungsfall eines Videospiel‑Designstudios

Offene Arbeitsbereiche: weniger Licht, mehr Konzentration

Im Gegensatz zu den Standards klassischer Büroumgebungen wurde die Beleuchtung der offenen Arbeitsbereiche bewusst neu gedacht. Dort, wo üblicherweise 500 Lux erwartet werden, sind die Arbeitsflächen hier mit lediglich etwa 10 Lux beleuchtet. Diese bewusste Entscheidung reduziert Kontraste und Reflexionen auf den Bildschirmen, begrenzt die visuelle Ermüdung und schafft eine umhüllende Atmosphäre, die lange Konzentrationsphasen begünstigt.

Um einen optimalen Sehkomfort zu gewährleisten, bestand das Ziel darin, ein weiches und vollkommen gleichmäßiges Licht ohne ausgeprägte Schattenzonen zu erzielen. Leistungsstarke LED-Leuchten mit direkter und indirekter Lichtverteilung wurden dafür ausgewählt. Das indirekte Licht, das zur Decke gelenkt wird, sorgt für eine homogene und nicht aufdringliche Ausleuchtung des Raums.

Die Farbtemperatur wurde auf 3 500 K festgelegt und orientiert sich damit am natürlichen Tageslicht – ein subtiler Ausgleich, ideal, um die Aufmerksamkeit zu unterstützen, ohne den Organismus unnötig zu stimulieren. Dimmer ermöglichen zudem, die Lichtintensität im Tagesverlauf und in Abhängigkeit vom natürlichen Lichteinfall anzupassen.

Mit dem Tageslicht arbeiten – nicht gegen es

Tageslicht spielt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz, vorausgesetzt, es wird kontrolliert eingesetzt. In diesem Projekt wurde es vollständig in die globale Lichtstrategie integriert. Mithilfe von lichtdichten Sonnenschutzstoffen, verstellbaren Vorhängen und einer fein abgestimmten Steuerung des Lichteinfalls je nach Ausrichtung und Tageszeit wird das natürliche Licht gezielt reguliert.

Diese Kombination bewahrt die positiven Effekte des Tageslichts und vermeidet zugleich Blendung sowie zu starke Schwankungen – für einen konstanten visuellen Komfort.

Licht gestalten, um Kreativität zu fördern: Anwendungsfall eines Videospiel‑Designstudios
Licht gestalten, um Kreativität zu fördern: Anwendungsfall eines Videospiel‑Designstudios

Räume der Zusammenarbeit: ein dynamisches Umfeld schaffen

In den Besprechungs- und Kollaborationszonen sollte die Beleuchtung die kollektive Dynamik unterstützen. Hier wurde das Beleuchtungsniveau auf 500–600 Lux angehoben, mit abgehängten Leuchten, die ein gleichmäßiges Licht abstrahlen. Ziel war es, einen anregenden und klar lesbaren Rahmen zu schaffen, der Interaktion und Kommunikation fördert. Dimm- und Zonierungssysteme ermöglichen es zudem, die Lichtatmosphäre an die jeweiligen Nutzungen anzupassen: formelles Meeting, kreativer Workshop, Präsentation oder informeller Austausch.

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Gemeinschaftsbereiche: mit Atmosphären spielen

Die Entspannungs- und Verkehrsbereiche wurden als echte Atempausen im Arbeitsalltag konzipiert. LED-Lichtbänder, programmierbare Leuchten und Bewegungsmelder ermöglichen es, Lichtintensität und -rhythmus zu modulieren. Die Beleuchtung ist in der Lage, die Atmosphäre je nach Moment und Nutzung zu verändern.

In der Küche ist der gestalterische Ansatz radikal: eine Lounge-Atmosphäre, inspiriert von der Clubszene, mit einer sehr warmen Farbtemperatur von 1.500 K, die eine gedämpfte und entspannte Stimmung erzeugt.

Im Gegensatz dazu werden bestimmte ikonische Elemente (wie das Logo im Eingangsbereich) durch kühleres Licht von rund 6.000 K hervorgehoben, mit beinahe neonartigen Reflexen. Dieses Spiel mit Kontrasten zwischen warm und kalt strukturiert die Räume intuitiv und bereichert das sensorische Erlebnis.

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Rückzugsbereiche: gezielter Lichtkomfort

Für die Phonebooths und Bereiche für punktuelles Arbeiten bestand die Herausforderung darin, eine konzentrierte Rückzugszone zu schaffen. Ein Beleuchtungsniveau von 300 Lux wurde gewählt – höher als in den offenen Arbeitsbereichen –, um die Aufmerksamkeit bei kurzen, präzisen Aufgaben zu unterstützen. Dimmbare Tischleuchten ermöglichen es zudem, die individuelle Lichtumgebung nach persönlichen Vorlieben anzupassen und verstärken so das Gefühl von Kontrolle und Komfort.

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Farbtreue: ein zentrales Gebot für digitale Gestaltung

In einem Videospiel‑Designstudio beeinflusst das Licht unmittelbar die Wahrnehmung der gestalteten grafischen Welten. Die Genauigkeit der Farbwiedergabe ist daher ein entscheidender Faktor.

Alle in den Arbeitsbereichen installierten Leuchten verfügen über einen Farbwiedergabeindex (CRI) von über 90 und gewährleisten so eine naturgetreue und präzise Wiedergabe der Farbtöne. Besonderes Augenmerk wurde zudem auf die Konsistenz der Farbtemperaturen innerhalb eines Raums gelegt, um eine homogene Wahrnehmung von Materialien, Texturen und Oberflächen sicherzustellen.

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« Beleuchtung ist nicht nur eine Frage davon, gut sehen zu können. Sie gibt einem Raum seinen Ton, sie beeinflusst, wie man sich darin fühlt und wie man darin arbeitet. Wenn sie gut durchdacht ist, verändert sie alles – auch wenn man nicht immer genau weiß, warum. »
Cynthia Roy, Innenarchitektin

Glossar: Grundlagen der Beleuchtung verstehen

  • Lux (lx): Maßeinheit der Beleuchtungsstärke. Sie gibt an, wie viel Licht auf eine Oberfläche trifft. Je höher der Luxwert, desto stärker ist die Fläche beleuchtet.
  • Farbtemperatur (Kelvin – K): Die Farbtemperatur beschreibt die „Farbwirkung“ des Lichts.
    • Warmes Licht (≈ 1.500 bis 2.700 K) weist gelblich‑orangefarbene Töne auf.
    • Neutrales Licht (≈ 3.500 bis 4.000 K) kommt dem natürlichen Tageslicht nahe.
    • Kaltes Licht (≈ 6.000 K und mehr) wirkt stärker bläulich.
  • LED (lichtemittierende Diode): Hocheffiziente Beleuchtungstechnologie mit langer Lebensdauer, die eine präzise Steuerung von Lichtintensität und Farbtemperatur ermöglicht.
  • Direkte / indirekte Beleuchtung:
    • Direkte Beleuchtung richtet das Licht unmittelbar auf den zu beleuchtenden Bereich.
    • Indirekte Beleuchtung reflektiert das Licht über Oberflächen (Decke, Wand) und erzeugt eine weichere und gleichmäßigere Lichtatmosphäre.
  • Gleichmäßige Beleuchtung: Homogene Lichtverteilung in einem Raum ohne starke Kontraste oder störende Schattenzonen, die den Sehkomfort fördert.
  • Dimmer: Vorrichtung zur Anpassung der Lichtintensität je nach Nutzung, Tageszeit oder individuellen Vorlieben der Nutzerinnen und Nutzer.
  • Photometrische Berechnung: Technische Simulation zur Vorab‑Bewertung des Lichtverhaltens in einem Raum (Beleuchtungsstärken, Verteilung, Schattenzonen) vor der Umsetzung.
  • CRI – Farbwiedergabeindex (Color Rendering Index): Kennwert zur Beurteilung der Fähigkeit einer Lichtquelle, Farben im Vergleich zum natürlichen Tageslicht (CRI 100) naturgetreu wiederzugeben. Je höher der CRI, desto realistischer und natürlicher erscheinen die Farben.
  • Enger / breiter Abstrahlwinkel: Ein enger Abstrahlwinkel bündelt das Licht gezielt zur Akzentuierung eines Elements. Ein breiter Abstrahlwinkel verteilt das Licht über eine größere Fläche.

Credits

©Edouard Vachon

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Patriarche.
Augmented Architecture